Traditionen und Tipps

Wein, so sagt man, zählt zu den schönsten Dingen, die diese Welt für uns Staubgeborene bereit hält. Nicht jeder findet sofort den Zugang. »Ich verstehe ja doch nichts davon«, hört man schon mal resignierend. Doch der Schlüssel zum Genuss fängt beim Probieren an, und auch so Mancher, der sich auskennt, entdeckt immer wieder Neues. Weswegen wir Ihnen hier Hinweise zusammen getragen haben für Ihre ganz private Weinprobe.

Die private Weinprobe:

Der unterhaltsame Weg zur Weinkennerschaft

Gäste in die eigenen vier Wände zu einer Weinprobe einzuladen erfordert gar nicht so viel Aufwand und ist für alle Beteiligten eine amüsante Unterhaltung. Das Verkosten und vergleichende Probieren von Weinen ist längst nicht mehr ein exklusives Vergnügen erfahrener Kenner. Beim auserkorenen Lieblingswein, den man schon lange kennt, schmeckt man plötzlich neue Nuancen, wenn man ihn im Vergleich mit einem anderen Wein trinkt. Überraschen Sie Ihre Gäste einmal mit einer Weinprobe. Vorbereitung und Durchführung beanspruchen wenig Mühe.

Die richtige Temperatur

Für die Entfaltung der Aroma- und Geschmacksstoffe im Wein ist die richtige Temperatur Voraussetzung. Denn zu kühl getrunkene Weine können ihren Geschmack nicht voll entfalten. Zu warm getrunken, verliert der Wein seine anregende Frische.
Junge, leichte Weißweine schmecken am besten bei einer Temperatur von etwa 9 bis 11° C. Annähernd gleiche Werte, 9 bis 13° C, gelten für Weißherbst und Rosé. Reife, kräftige Weißweine der Kategorie Spät- oder Auslese dagegen entfalten erst bei 11 bis 13° C ihr volles Aroma. Gehaltvolle, reife Rotweine genießt man am besten bei einer Temperatur von 17 bis 19° C, süffige, gerbstoffbetonte Rote sogar bei 20 bis 22° C, während für leichtere, junge Rotweine 14 bis 16° C ideal sind.
Gewaltsame Temperaturschwankungen sollten Sie allerdings vermeiden. Denn der Kälteschock des Gefrierfaches bekommt dem Weißwein ebensowenig wie dem Rotwein die plötzliche Wärme der Heizung. Am besten stellen Sie Weißweine vor dem Servieren für zwei bis drei Stunden in den Kühlschrank und Rotweine schon am Vortag in ein nicht zu warmes Zimmer.

Das geeignete Glas

Auch das Weinglas trägt fraglos zum Weingenuß bei. Es sollte klar und farblos sein, denn so erlaubt es dem Auge am besten, den Wein auf Klarheit und Farbe zu prüfen.
Abgesehen von speziellen Rot- und Weißweingläsern gilt: Ein nach oben verjüngtes Glas, etwa in Apfelform, ermöglicht einen intensiven Eindruck vom Wein. Auch der Stiel eines guten Weinglases hat seine Funktion. Er verhindert die Erwärmung des Weines durch die Hand.
Um Duft und Aroma des Weines intensiv wahrzunehmen, sollten die Weingläser (0,1 bis 0,2 l) nur zur Hälfte gefüllt werden.
Diese wenigen einfachen Regeln eröffnen Ihnen den Weg zu vollendetem Weingenuß.
Übrigens: Den ersten Schluck sollten Sie sich als aufmerksamer Gastgeber immer selbst vorbehalten. So können Sie prüfen, ob der Wein richtig temperiert ist und Ihre Erwartungen erfüllt.
Das Öffnen der Flasche

Die Kapsel schützt Korken und Flaschenmund. Sie wird auf dem Wulst, oder noch besser unterhalb des Wulstes, mit einem Messer rundherum aufgeschnitten, so daß sich der Deckel abheben lässt. Auf diese Weise geöffnet, verbleibt zwischen der restlichen Kapsel und dem Flaschenrand ein etwa 5 mm breiter Glasstreifen
Das Entkorken sollte so behutsam wie möglich geschehen. Am besten nehmen Sie dazu einen Korkenzieher mit großen Windungen. Er erfasst den Korken, ohne dass Korkenkrümel in den Wein geraten. Denn vor allem bei älteren Weinen kommt es vor, dass der Korken brüchig geworden ist. Bei den moderneren Schraubverschlüssen, die in einigen Gebieten zunehmend verwendet werden, entfallen die Probleme selbstverständlich.
Weißweine können etwa 20 Minuten vor dem Servieren geöffnet werden. Rotweine sollten wesentlich früher geöffnet werden.

Die Weinfolge soll stimmen

Es empfiehlt sich, leichten Wein vor dem schweren zu trinken; trockenen, herben Wein vor dem süßen, milden; trockenen Weißwein vor dem Rotwein, doch trockenen Rotwein wieder vor dem süßen Weißwein. Denn die Erfahrung hat uns gezeigt, dass unsere Zunge nach dem intensiven Geschmackserlebnis für feinere Nuancen nicht mehr aufnahmefähig ist. Deshalb steigert man am besten auch die Weine von leicht zu schwer. Natürlich können Sie auch nur weiße oder nur rote, nur trockene oder nur ältere Weine jeweils als Gruppe zusammenstellen und probieren. Das ist dann schon ein erster Vorschlag für eine Weinprobe. Ganz gleich, nach welchen Schwerpunkten Sie die Weine zusammenstellen: es ist in jedem Fall interessant, Wein unter einem bestimmten thematischen Aspekt zu probieren.

Zum Beispiel …

Gebiets-Weinprobe

Wählen Sie dazu Weine von ein und derselben Rebsorte und Qualitätsstufe aus unseren deutschen Anbaugebieten, also von der Ahr über Baden bis zur Pfalz und Württemberg. Der Reiz dieser Probe ist es, den charakteristischsten, gebietstypischen Geschmack, den jedes der bestimmten Anbaugebiete seinen Weinen schenkt, im Vergleich miteinander zu erschmecken. Es müssen ja nicht gleich alle Weinanbaugebiete vertreten sein.
Denn die Probe wird schon dann aufschlussreich, wenn Sie vier oder fünf verschiedene Gebiete vergleichend verkosten.
Rebsorten-Weinprobe

Auch wenn Sie die verschiedenen Rebsorten der deutschen Weine nebeneinander verkosten wollen, ist es gut, bei einer Qualitätsstufe zu bleiben und Weine aus einem Anbaugebiet mit einer Rebsorten-Vielfalt zu wählen, z.B. Weine aus Rheinhessen, der Pfalz, Baden oder Württemberg. Beginnen Sie mit einem frischen Rieslingwein, probieren dagegen einen neutralen Silvaner, dem dann ein Müller-Thurgau (Rivaner) folgt. Nach einem kräftigen Grauburgunder (Ruländer) oder Gewürztraminer kehren Sie zurück zu einem eleganten, fruchtigen Rieslingwein.

Qualitätsstufen-Weinprobe

Steigern Sie beim Verkosten langsam den Grad der Qualität. Probieren Sie einen süffigen Tafel- oder Landwein, dann einen Qualitätswein bis hin zu den Qualitätsweinen mit Prädidat; zuerst einen Kabinettwein, dann eine Spätlese, eine Auslese, vielleicht noch eine Beerenauslese oder einen Eiswein als Krönung. Zum Abschluß bieten Sie einen leichten Kabinettwein an, der den Geschmacksabstand richtig bewusst macht.

Jahrgangs-Weinprobe

In jedem Jahr wächst ein anderer Wein. Je nach Witterung kann deshalb ein Wein aus gleicher Lage erstaunlich unterschiedlich schmecken. Vielleicht stellen Sie einmal eine Probe aus Weinen der gleichen Qualitätsstufe, der gleichen Lage und vom gleichen Erzeuger, aber aus verschiedenen Jahrgängen zusammen. Ein »Spitzenjahrgang« wäre natürlich die Krönung dieser Probe.

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